Geschichte
der italienischen Küche
Die
Küche (Kochkunst) als zivilisatorische Errungenschaft eines Landes
ist besonders geeignet, um Fremden einen Hinweis auf die Menschen, die
in diesem Land zu Hause sind, ihr Wesen, ihre Sitten und ihre Kultur
zu geben.
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"Sage mir, was du ißt,
und ich sage Dir, wer Du bist." -
Wo
immer im Verlauf der menschlichen Geschichte Hochkulturen entstanden,
da entstand und entwickelte sich auch eine Eßkultur besonderer
Güte. Es ist heute allgemein anerkannt, daß in Italien die
Wiege der abendländischen Kochkunst stand. Als die Griechen in
der Antike Sizilien besiedelt hatten, wurden sie kurze Zeit später
von den Römern unterworfen.
Dieses
zunächst sehr asketisch und sittenstreng geprägte Volk begann,
nachdem man sich erfolgreich auf der Apenninhalbinsel (Italien) niedergelassen
hatte, die Kulturen der eroberten Völkerstämme aufzugreifen
und weiterzuentwickeln. Dafür sorgten z.B. Lukull (ein römischer
Feldherr), Cicero (Staatsmann und Philosoph), Ovid (Dichter) und Plinius
(Historiker). Die
Kaiser, ihr Hof und die Reichen im Lande kitzelten ihre verwöhnten
Zungen und Gaumen immer wieder mit neuen Delikatessen aus allen Teilen
der eroberten Welt.
Im
Bergschnee frischgehalten wurden durch Eilboten z.B. Austern von den
britannischen Inseln, Früchte aus Persien und Honig aus den Wäldern
Germaniens nach Rom geschickt. Der alteingesessene römische Adel
mißbilligte dieses verschwenderische Treiben und hielt aus Protest
an den einfachen, bäuerlichen Gerichten der Vorfahren fest.
Das
gemeine Volk hatte zur Zeit der Antike wenig Auswahl: Hülsenfrüchte,
Gerstenschrot und evtl. ein bißchen Fisch bildeten die Hauptnahrung.
Nach der stürmischen Zeit der Völkerwanderungen erlebte vor
allem Sizilien und im Anschluß daran die gesamte Halbinsel die
Begegnung mit neuen Völkern und bedingt dadurch natürlich
auch mit neuen Eßkulturen. Die Araber brachten Süßspeisen
und Reis, vor allem aber die Zubereitung von Eisspeisen und Sorbet (eisgekühltes
Getränk aus Fruchtsaft oder Wein, Wasser und Zucker), die Normannen
den Stockfisch und die spanischen Seefahrer Mais, Tomaten und Kartoffeln.
Die italienische Renaissance holte so manche vergessenen
Zubereitungsmethoden bzw. alte Gerichte aus der Antike in die Erinnerung
zurück, die man im Mittelalter gar nicht mehr kannte (z.B. der
Gebrauch von Zitrusfrüchten wie Zitronen). Das Zentrum der Kultur,
auch der Gastronomie, bildete Florenz in der Toscana. Während in
dieser Zeit allmählich internationale Gerichte auf den Tischen
der Reichen serviert wurden, blieb das Volk bei seiner ihm eigenen,
rustikalen, oft aus Not und Armut geborenen Küche.